Nadja Benaissa über den No-Angels-Aus von Jessica Wahls: „Sie wurde gegangen“
By SingArena Editorial · · Artist Update

CHR!S / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Bei „Promi Big Brother“ spricht Nadja Benaissa erstmals offen über den frühen Ausstieg von Jessica Wahls – und nimmt sich selbst und die damalige Band in die Verantwortung.
Ein Satz, der sitzt
Es ist ein Satz, der in der deutschen Popgeschichte nachhallt: „Jess ist nicht gegangen, sie wurde gegangen.“ Nadja Benaissa, Gründungsmitglied der No Angels, hat in der SAT.1-Show „Promi Big Brother“ über den Ausstieg ihrer damaligen Bandkollegin Jessica Wahls gesprochen – und dabei deutliche Worte gefunden. An Tag 3 der aktuellen Staffel kam die Sängerin im Garten der TV-WG auf ihre Zeit bei der erfolgreichsten Girlgroup Kontinentaleuropas zu sprechen. Was sie dort erzählte, ist ein selten offener Blick hinter die Kulissen einer Band, die in den 2000er-Jahren die Charts dominierte.
Kein freiwilliger Abschied
Die No Angels starteten im Jahr 2000 zu fünft: Nadja Benaissa, Lucy Diakovska, Sandy Mölling, Vanessa Petruo und Jessica Wahls. Nach dem Sieg in der ersten deutschen Staffel von „Popstars“ auf RTL II wurden sie über Nacht zu Stars. Doch die erste Besetzung hielt nicht lange. Bereits nach wenigen Jahren schrumpfte die Gruppe – ein Einschnitt, der bis heute nachwirkt, wie Benaissa nun schildert.
Der Grund für Wahls' Ausscheiden sei kein freiwilliger gewesen, betont Benaissa. „Sie wurde gegangen, weil sie schwanger wurde. Damals hat man gedacht, das kann nicht funktionieren mit dem Job.“ Diese Entscheidung bewertet sie rückblickend unmissverständlich: „Richtig, richtig schlimm. Ein Unding.“
Bemerkenswert: Einen internen Streit habe es nicht gegeben. Benaissa findet für ihre ehemalige Kollegin nur lobende Worte – „Nein, Jess ist die Netteste überhaupt“ – und verortet die Verantwortung beim damaligen Management. Doch sie nimmt sich selbst und die verbliebenen Mitglieder nicht aus der Verantwortung: „Es war das Management, aber wir als Band waren auch nicht ganz unschuldig.“ Hätten die vier Sängerinnen geschlossen hinter Wahls gestanden, wäre die Situation vielleicht anders ausgegangen. „Wenn wir uns für sie eingesetzt hätten, richtig, hätte das so nicht funktioniert.“ Ihr Fazit: „Wir haben da verk...ckt, leider!“
Die Erfolgsgeschichte der No Angels
Um die Tragweite dieser Aussagen zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Bandgeschichte. Die No Angels gingen im November 2000 aus der ersten deutschen „Popstars“-Staffel hervor und wurden zum Phänomen: Mit ihrer Debütsingle „Daylight in Your Eyes“ und dem Album „Elle'ments“ erreichten sie 2001 Platz eins der Single-, Airplay- und Albumcharts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es folgten vier Nummer-eins-Hits in den deutschen Singlecharts und vier Nummer-eins-Alben in den deutschen Albumcharts. Insgesamt veröffentlichten sie 19 Singles, sechs Studio- und zwei Livealben, absolvierten vier Tourneen und wurden mit mehr als 20 Musikpreisen ausgezeichnet. Mit über fünf Millionen verkauften Tonträgern sind sie bis heute die erfolgreichste Girlgroup Kontinentaleuropas.
Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Nach Wahls' Ausstieg machten die No Angels als Quartett weiter, ehe sie sich Ende 2003 auflösten. 2007 folgte ein Comeback – ohne Vanessa Petruo. Nach dem Ausstieg von Benaissa im August 2010 traten die verbliebenen Mitglieder als Trio auf, bis sie sich Ende 2010 trennten. Zum 20-jährigen Bandjubiläum erschien im Juni 2021 das Album „20“, das auf Platz eins der deutschen Albumcharts einstieg – ein Beweis für die anhaltende Verbundenheit der Fans.
Ein Blick zurück, der weh tut
Benaissas Aussagen bei „Promi Big Brother“ sind mehr als ein Promi-Geständnis. Sie werfen ein Schlaglicht auf eine Zeit, in der Schwangerschaft in der Musikindustrie oft als Karriereende galt – besonders für Frauen in einer Girlgroup. Dass Benaissa dies heute so klar benennt, zeugt von einer reflektierten Haltung und dem Willen, aus der Vergangenheit zu lernen. Gleichzeitig zeigt es, wie sehr die damaligen Entscheidungen bis in die Gegenwart nachwirken.
Für Fans der No Angels dürfte die Offenheit der Sängerin ein zweischneidiges Gefühl sein: Einerseits schmerzt die Erinnerung an den Verlust von Jessica Wahls, andererseits ermöglicht Benaissa einen ehrlichen Dialog über die Mechanismen der Branche. Dass sie dabei auch eigene Fehler einräumt, macht ihre Worte glaubwürdig. Es ist ein seltenes Beispiel für eine Künstlerin, die nicht nur über Erfolge spricht, sondern auch über Versäumnisse.
Die Live-Shows von „Promi Big Brother“ laufen täglich um 20.15 Uhr bei SAT.1 und im Livestream auf Joyn. Ob Benaissa dort noch weitere Details aus der Bandgeschichte preisgibt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die No Angels mögen sich längst getrennt haben, doch ihre Geschichte – und die Art, wie sie erzählt wird – bewegt die Menschen noch immer.
Tags: No Angels, Nadja Benaissa, Jessica Wahls, Promi Big Brother, Girlgroup, DE MUSIC