Joey Kelly über die Kelly-Family-Finanzen: Ein Zehntel für jeden
By SingArena Editorial · · Music News
Sven Teschke, Büdingen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 de)
Joey Kelly ist seit Jahrzehnten für die Geschäfte der Kelly Family zuständig – und spricht jetzt offen darüber, wie das Geld der Band aufgeteilt wird.
Die Kelly Family zählt seit den 1990er-Jahren zu den erfolgreichsten Musikphänomenen Europas. Doch während Maite Kelly und Michael Patrick Kelly weiterhin eigene musikalische Wege gehen, kümmert sich ein anderes Geschwister seit Jahren um das, was hinter den Kulissen passiert: Joey Kelly. Im Podcast „Mit den Waffeln einer Frau" bei Barbara Schöneberger spricht der 53-Jährige nun offen über seine Rolle als Finanzmanager der Familie – und über die Frage, ob es dabei immer fair zugeht.
Vom Bühnenaufbau zum Geschäftsführer
Dass Joey Kelly musikalisch nie zu den treibenden Kräften der Band gehörte, macht er selbst deutlich. Sein Job sei es gewesen, „quasi mit meinen Brüdern die kleine Bühne aufzubauen, so zwei Bühnenpodeste, die 30 Zentimeter hoch waren und Mikrofon". Danach habe er zwölf Jahre lang „mit dem Korb immer Geld gesammelt". Es ist eine bemerkenswerte Karriere: vom Straßenmusiker, der auf den Bühnenpodesten stand, zum Mann, der heute die GmbH und GbR der Familie verantwortet.
Seit 1999, also seit 27 Jahren, ist Joey Kelly nach eigenen Angaben Geschäftsführer und Prokurist der Kelly Family. Barbara Schöneberger bringt es im Gespräch auf den Punkt: „Also du hast die betriebswirtschaftliche Seite betreut?" Kelly bestätigt: „Ist so. Und heute noch."
Zehn Prozent für jeden – gleiches Geld für alle
Entscheidend ist jedoch, was diese Position für die Verteilung des Vermögens bedeutet. Wer glaubt, dass der Geschäftsführer auch mehr abbekommt, irrt. „Aber ich bin nicht wichtiger wie die anderen und verdiene auch keinen Cent mehr wie die anderen", sagt Kelly. „Das Geld wird zehn Prozent aufgeteilt an alle. Also jeder bekommt das gleiche Geld und das ist ja auch gut so."
Zehn Prozent – das klingt nach einem klaren Schlüssel. Bei einer Familie, die einst mit neun Mitgliedern auf der Bühne stand und heute in wechselnden Konstellationen auftritt, ist das keine Selbstverständlichkeit. Joey Kelly betont, dass er regelmäßig Kontakt zu seinen Geschwistern hält – auch wegen der Ausschüttungen, die mehrmals im Jahr erfolgen. „Ich habe ja viermal jährlich mindestens eine Ausschüttung und dann reden die auch mit mir", erzählt er lachend. Schöneberger kontert humorvoll: „Da müssen sie ans Telefon gehen, wenn du anrufst." Kelly relativiert: „Müssen sie nicht, aber es ist nicht schlecht, wenn man halt quasi so einen kleinen Draht hat, ne?"
Ein Familienunternehmen über Jahrzehnte
Die Kelly Family ist längst mehr als eine Band – sie ist ein Familienunternehmen. Der Grundstein dafür wurde im 20. Jahrhundert gelegt. Nachdem die Geschwister ab 1974 zunächst als Kelly Kids auftraten, reisten sie ab 1978 unter dem Namen The Kelly Family durch die USA und Europa und bestritten als Straßenmusiker zahlreiche Konzerte. Der Durchbruch gelang 1980 mit „Who'll Come with Me (David's Song)", das in Belgien und den Niederlanden Platz eins erreichte. Ihren endgültigen kommerziellen Höhepunkt erreichte die Gruppe 1994 mit dem Album „Over the Hump", das sich allein in Deutschland rund 2,5 Millionen Mal verkaufte und neunmal mit Gold ausgezeichnet wurde.
Bis Anfang 2020 wurde die Kelly Family mit über 60 Gold- und Platin-Awards ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt sie mehrere Preise der deutschen Musik- und Medienindustrie, darunter den Bambi (1995), die Goldene Europa (1995 und 1997), den Echo (1996) und die Goldene Kamera (1998). Die Gruppe verkaufte rund 20 Millionen Tonträger, zwei Millionen Videos und DVDs und feierte Erfolge in ganz Europa, Brasilien, Südafrika und China.
Der Wandel der Band – und die Rolle des Geldes
Ab der Jahrtausendwende zerbrach die in den 1990er-Jahren präsente Besetzung aus neun Mitgliedern schrittweise; seither musiziert die Band in variierender Konstellation. Parallel dazu begannen sich die Mitglieder verstärkt eigenen Projekten zu widmen. 2017 starteten sechs Familienmitglieder nach einer mehrjährigen Pause ein Comeback – jenes Comeback, das auch heute noch für Einnahmen sorgt. Maite Kelly und Michael Patrick Kelly sind weiterhin musikalisch erfolgreich, während Joey Kelly sich als Extremsportler einen Namen gemacht hat.
Fairness als Prinzip
Die Aussage, dass jeder zehn Prozent erhält, ist mehr als eine Zahl. Sie ist das Bekenntnis zu einem Prinzip, das in der Musikbranche nicht selbstverständlich ist. Während viele Bands an ungleichen Einkommen, unterschiedlichen Karriereinteressen und Streitigkeiten zerbrechen, scheint die Kelly Family einen Weg gefunden zu haben, der funktioniert – zumindest was das Geld betrifft. Joey Kelly, der in der Öffentlichkeit vor allem als Extremsportler und Ausdauersportler bekannt ist, zeigt sich hier als nüchterner Verwalter eines Familienerbes, das über Jahrzehnte gewachsen ist.
Ob das Modell auch in Zukunft trägt, hängt nicht nur von den Ausschüttungen ab. Es hängt davon ab, ob die Familie weiterhin bereit ist, miteinander zu sprechen – mindestens viermal im Jahr.
Hintergrund: Die Kelly Family im Überblick
- Gründung: Die Geschwister traten ab 1974 als Kelly Kids auf, ab 1978 als The Kelly Family.
- Musikstil: Folk, Pop und Pop-Rock, mit englisch-, deutsch-, französisch- und spanischsprachigen Titeln.
- Erster Nr.-1-Hit: „Who'll Come with Me (David's Song)" (1980, Belgien und Niederlande).
- Durchbruchsalbum: „Over the Hump" (1994), rund 2,5 Millionen Verkäufe in Deutschland, neunmal Gold.
- Auszeichnungen: Bambi (1995), Goldene Europa (1995, 1997), Echo (1996), Goldene Kamera (1998).
- Verkaufszahlen: rund 20 Millionen Tonträger, zwei Millionen Videos und DVDs.
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