Anita Mui: Asche der "Madonna Asiens" aus Kloster verschwunden – Polizei sucht nach Spuren
By SingArena Editorial · · Music News

Wing1990hk / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Die Urne der 2003 verstorbenen Cantopop-Ikone Anita Mui ist aus einem Kloster in Hongkong verschwunden. Die Familie erhebt schwere Vorwürfe, die Polizei ermittelt – bislang ohne Festnahme.
Ein schmerzhafter Verlust für Familie und Fans
Sie wurde als "Madonna Asiens" verehrt, ihre melancholische Stimme prägte eine ganze Ära des Cantopop: Anita Mui. Doch mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod sorgt nun eine Nachricht für Bestürzung, die weit über die Musikwelt hinausgeht. Wie die Hongkonger Polizei am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, ist die Asche der Sängerin aus einem Kloster in Hongkong verschwunden. Die Urne war nicht mehr an ihrem angestammten Platz.
Die Hintergründe sind bislang unklar. Die Ermittlungen laufen, zu einer Festnahme ist es nach offiziellen Angaben noch nicht gekommen. Für die Angehörigen von Anita Mui ist die Ungewissheit kaum zu ertragen. Bereits im Juli hatten sie die Polizei eingeschaltet, nachdem ein Fan bemerkt hatte, dass die Urne der Sängerin fehlte. Am Samstag meldeten sich Muis Angehörige dann mit einer öffentlichen Erklärung zu Wort.
Darin beklagten sie den ihrer Ansicht nach schleppenden Verlauf der Ermittlungen. Der Mangel an Fortschritten im Fall der verschwundenen sterblichen Überreste verursache ihnen "enorme Bedrängnis und seelische Qual". Die Erklärung wurde an Muis Geburtstag veröffentlicht – ein Tag, der eigentlich der Erinnerung an die Ausnahmekünstlerin gewidmet ist.
Wut und Fassungslosigkeit in der Fangemeinde
Die Reaktionen der Fans lassen nicht lange auf sich warten. In Foren und auf Fan-Websites macht sich eine Mischung aus Wut und Trauer breit. "Ich bin wirklich wütend, und ich fühle mich so traurig und untröstlich", zitierte die AFP einen Kommentar auf einer Mui-Fan-Website. Für viele Anhängerinnen und Anhänger ist die Sängerin auch Jahrzehnte nach ihrem Tod eine prägende Figur geblieben – ein Umstand, der die emotionale Wucht der aktuellen Nachricht erklärt.
Denn Anita Mui war weit mehr als eine Sängerin. Sie stand für eine Ära des Cantopop, jenes kantonesischsprachigen Pop-Phänomens, das in den 1980er- und 1990er-Jahren seinen kulturellen Höhepunkt erlebte. Ihre Karriere begann 1982 mit dem Sieg beim New Talent Singing Contest des Hongkonger Senders TVB. Von dort aus stieg sie innerhalb weniger Jahre zu einer der prägendsten Stimmen der Region auf.
Eine Karriere zwischen Bühne und Leinwand
Ihr enormer Erfolg brachte ihr den Beinamen "Madonna of Hong Kong" ein – nicht nur wegen ihrer musikalischen Dominanz, sondern auch wegen ihrer ständigen Wandlungsfähigkeit. Wie ihr internationales Vorbild wechselte Mui häufig ihr Erscheinungsbild und galt zeitweise als das "Bad Girl" des Cantopop. Diese Bereitschaft, Grenzen zu verschieben, machte sie zu einer Künstlerin, die sich nie auf ein einziges Image festlegen ließ.
Neben der Musik war Anita Mui auch als Schauspielerin überaus erfolgreich. Bereits ab 1983 übernahm sie vornehmlich Action- und Martial-Arts-Rollen. Besondere Anerkennung erhielt sie für ihre Leistung in "Rouge" von Regisseur Stanley Kwan, einem tragischen Liebesfilm, der längst als Klassiker gilt. An der Seite von Leslie Cheung, mit dem sie eine enge Freundschaft verband, stand sie für mehrere Filme vor der Kamera. Cheung beschrieb sie einmal als eine Art kleine Schwester für ihn. Darüber hinaus drehte sie in den 1980er-Jahren erfolgreich mit Chow Yun Fat.
Ihren internationalen Durchbruch als Schauspielerin – und damit auch einen Teil ihrer Bekanntheit im deutschsprachigen Raum – feierte sie an der Seite von Jackie Chan in "Rumble in the Bronx" (1994) und "Drunken Master II" (1993). Regisseur Zhang Yimou widmete ihr später seinen Film "House of Flying Daggers" (2004).
Ein früher Abschied und ein bleibendes Vermächtnis
Anita Mui starb am 30. Dezember 2003 im Alter von nur 40 Jahren an den Folgen von Gebärmutterhalskrebs im Hong Kong Sanatorium & Hospital. Der Verlust traf die Musikwelt schwer – zumal ihre ältere Schwester Ann Mui, ebenfalls eine Sängerin des Cantopop, im Jahr 2000 an derselben Krankheit gestorben war. Zwei Schicksalsschläge, die die Familie innerhalb weniger Jahre trafen.
Ihr künstlerisches Vermächtnis ist bis heute lebendig. Ihre melancholische Stimme ist auf zahlreichen Titelsongs von Film- und Fernsehproduktionen zu hören. Ein 2001 entdeckter Asteroid wurde nach ihr benannt – "(55384) Muiyimfong". 2021 widmete ihr Regisseur Lok Man Leung eine fünfteilige Filmbiografie mit dem schlichten Titel "Anita". Solche Ehrungen zeigen, welchen Stellenwert die Sängerin über die Grenzen Hongkongs hinaus besitzt.
Kein Einzelfall: Wenn Urnen verschwinden
So erschütternd der aktuelle Fall ist, so wenig ist er in Hongkong ein Einzelphänomen. Im vergangenen Jahr verschwand die Asche des verstorbenen Martial-Arts-Stars und Regisseurs Lau Kar Leung. Medienberichten zufolge wurde seine Familie erpresst, um die Asche zurückzuerhalten. Monate später tauchte die Urne wieder auf. Diese Parallele wirft Fragen auf – nicht nur zur Sicherheit solcher Aufbewahrungsorte, sondern auch zum Umgang mit dem Andenken verstorbener Kulturschaffender.
Für die Familie von Anita Mui bleibt die Situation indes ungelöst. Solange die Ermittlungen keinen Fortschritt zeigen, bleibt die Sorge um das Andenken einer der größten Stimmen des Cantopop bestehen. Die Fan-Community beobachtet die Entwicklungen mit Argusaugen – in der Hoffnung, dass die Urne ihrer Ikone bald wieder an ihren Platz zurückkehrt.
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