Anita Mui: Asche der „Madonna Asiens" aus Hongkonger Kloster verschwunden
By SingArena Editorial · · Music News
No machine-readable author provided. BITBITSW assumed (based on copyright claims). / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Die Urne der 2003 verstorbenen Cantopop-Ikone Anita Mui ist aus einem Kloster in Hongkong verschwunden. Familie und Fans zeigen sich empört über den bisherigen Ermittlungsstand.
Ein schmerzhafter Verlust für Familie und Fans
Es ist eine Nachricht, die weit über die Grenzen Hongkongs hinaus Bestürzung auslöst: Die Asche von Anita Mui, einer der prägendsten Stimmen des Cantopop, ist aus einem Kloster in Hongkong verschwunden. Wie die Hongkonger Polizei am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, läuft die Urne der Sängerin seit geraumer Zeit nicht mehr an ihrem angestammten Platz. Festnahmen gab es bislang nicht.
Die Angehörigen hatten bereits im Juli die Behörden eingeschaltet, nachdem ein Fan bemerkt hatte, dass die Urne nicht mehr an ihrem Platz stand. Am Samstag richteten Muis Verwandte eine öffentliche Erklärung an die Öffentlichkeit, in der sie ihrem Unmut über den mangelnden Fortschritt der Ermittlungen Luft machten. Der Umgang mit den sterblichen Überresten verursache ihnen „enorme Bedrängnis und seelische Qual", wie es in der Mitteilung hieß.
Wut und Fassungslosigkeit bei den Anhängern
Die Vorwürfe wurden an Muis Geburtstag veröffentlicht – ein Symbol, das die emotionale Wucht der Debatte zusätzlich verstärkt. In den sozialen Netzwerken und auf Fan-Websites reagierten Anhänger mit offener Empörung. „Ich bin wirklich wütend, und ich fühle mich so traurig und untröstlich", zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Kommentar auf einer Mui-Fan-Website.
Dass gerade das Gedenken an eine Künstlerin, die zu Lebzeiten wie kaum eine andere für Wandelbarkeit und Eigensinn stand, auf diese Weise gestört wird, trifft die Community besonders hart. Anita Mui war für viele mehr als eine Sängerin – sie war Identifikationsfigur, Stilikone und emotionaler Anker einer ganzen Generation.
Ein Fall, der kein Einzelfall ist
So bestürzend die Nachricht wirkt, so sehr fügt sie sich in ein Muster, das Hongkong in den vergangenen Jahren beschäftigt hat. Bereits im vergangenen Jahr war die Asche des verstorbenen Martial-Arts-Stars und Regisseurs Lau Kar Leung verschwunden. Berichten zufolge wurde seine Familie erpresst, um die Asche zurückzuerlangen. Monate später tauchte sie wieder auf. Der Fall zeigt, dass Grabstätten und Urnen prominenter Persönlichkeiten in der Region offenbar immer wieder zum Ziel krimineller Handlungen werden.
Anita Mui: Vom Casting-Erfolg zur Cantopop-Ikone
Anita Mui Yim-fong wurde am 10. Oktober 1963 in Hongkong geboren. Ihren Durchbruch erlebte sie 1982, als sie den New Talent Singing Contest des privaten Fernsehsenders TVB für sich entschied. Es war der Startschuss für eine internationale Karriere, die sie zunächst als Sängerin etablierte. Wegen ihres enormen Erfolgs und ihrer ständigen künstlerischen Wandlungsfähigkeit wurde sie in Medien oft als „Madonna of Hong Kong" bezeichnet – und galt im Cantopop zugleich als das „Bad Girl", das Konventionen bewusst infrage stellte.
Ihre melancholische Stimme prägte dutzende Titelsongs von Film- und Fernsehproduktionen. In Deutschland wurde sie vor allem einem Kinopublikum bekannt: An der Seite von Jackie Chan war sie in Drunken Master II (1993) und Rumble in the Bronx (1994) zu sehen. Auch in Stanley Kwans tragischem Liebesfilm Rouge von 1988 spielte sie eine Hauptrolle – ein Werk, das heute als Klassiker gilt. Zhang Yimou widmete ihr später seinen Film House of Flying Daggers (2004).
Die Verbindung von Musik und Film durchzieht ihre gesamte Laufbahn. Mit ihrem engen Freund Leslie Cheung drehte sie mehrere Filme – darunter Who's the Woman, Who's the Man (1996) – und nahm mit ihm auch zahlreiche erfolgreiche Songs auf. In den 1980er Jahren stand sie zudem regelmäßig mit Chow Yun Fat vor der Kamera. Selbst ein Asteroid trägt seit 2001 ihren Namen: „(55384) Muiyimfong".
Ein Vermächtnis, das weiterlebt
Anita Mui starb am 30. Dezember 2003 im Alter von 40 Jahren im Hong Kong Sanatorium & Hospital an den Folgen von Gebärmutterhalskrebs. Ihre ältere Schwester Ann Mui, ebenfalls eine Sängerin des Cantopop, war bereits im Jahr 2000 an derselben Krankheit gestorben.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod ist ihr Einfluss auf die Musik- und Filmlandschaft Asiens ungebrochen. Dass nun ausgerechnet ihr letzter Ruheort zum Gegenstand von Ermittlungen wird, macht die aktuelle Situation für Familie und Fangemeinde umso schmerzhafter. Die Polizei setzt ihre Untersuchungen fort – bislang jedoch ohne heiße Spur.
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