Konzertkarten werden zur Luxusware – auch für Max Giesinger-Fans
Kaum sind neue Tourdaten draußen, heißt es für viele Fans: Schnell sein, sonst ist alles weg. Und wer nicht schnell genug war, der findet die begehrten Karten kurz darauf auf Wiederverkaufsplattformen – zu Preisen, die sich oft verdoppelt oder verdreifacht haben. Dieses Szenario ist längst Alltag in der Live-Branche. Auch Künstler wie Max Giesinger, der mit Hits wie „80 Millionen“ und „Legenden“ ein großes Publikum erreicht, bekommen die Wut und Enttäuschung ihrer Fans direkt zu spüren.
Der gebürtige Südwestdeutsche, der regelmäßig auf Festivals zwischen Bodensee und Schwarzwald auftritt, bezieht nun klar Stellung: „Das ist kein freier Markt mehr, das ist systematische Abzocke. Fans, die jahrelang treu sind, werden bestraft, weil sie nicht bereit sind, Mondpreise zu zahlen. Wir müssen als Branche geschlossen dagegen vorgehen.“
Bots und Massenkäufe: Wie der Zweitmarkt funktioniert
Hinter dem Ticket-Wahn stecken oft professionelle Händler, die mit automatisierten Bots innerhalb von Sekunden hunderte Karten aus dem offiziellen Vorverkauf fischen. Anschließend tauchen die Tickets auf Plattformen wie Viagogo oder eBay Kleinanzeigen auf – zu Preisen, die mit dem Original nichts mehr zu tun haben. Für Künstler wie Giesinger, die auf moderate Eintrittspreise achten, ist das eine Katastrophe: Die Gage bleibt gleich, doch das Image leidet, wenn Fans draußen bleiben oder über den Tisch gezogen werden.
Gemeinsam mit anderen Musikern und Veranstaltern appelliert der Sänger nun an die Politik, endlich zu handeln. Gefordert wird unter anderem eine gesetzliche Deckelung der Wiederverkaufspreise auf maximal 20 Prozent über dem Originalpreis. Zudem sollen Ticket-Plattformen verpflichtet werden, die Identität von Verkäufern offenzulegen. „Wir brauchen klare Regeln, so wie in Frankreich oder Belgien. Wer Tickets nur zum Zweck des gewerblichen Weiterverkaufs kauft, muss gestoppt werden“, so Giesinger.
Festivalsommer 2026: Giesinger zwischen Rock und Indie
Trotz der Preisproblematik blickt die Branche auf einen vielversprechenden Festivalsommer 2026. Zwischen Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein locken Großveranstaltungen wie das Southside Festival oder das Campus Festival Konstanz. Auch kleinere Open-Airs mit Charme stehen auf dem Programm. Max Giesinger, der auf Bühnen dieser Art als Headliner gesetzt ist, will dennoch nicht locker lassen: „Die schönste Festival-Atmosphäre bringt nichts, wenn sie für viele unbezahlbar wird.“
Nashville-Trip und musikalische Wurzeln
Während sich die Debatte um faire Ticketpreise zuspitzt, arbeitet Giesinger parallel an neuen Klängen. Ähnlich wie Peter Maffay, der kürzlich eine englische Version seines Hits „Sonne in der Nacht“ im legendären Blackbird Studio in Nashville einspielte, könnte auch Giesinger eine musikalische Neuausrichtung wagen. Der deutsche Pop-Rock der Gegenwart sucht verstärkt den internationalen Sound – und Giesinger, der in den USA bereits mit Songwritern zusammenarbeitete, passt perfekt in dieses Bild.
Bis es soweit ist, bleibt das Thema Ticketpreise das drängendste. „Ich will, dass meine Musik auf der Bühne ankommt – und nicht die Wut über überteuerte Tickets die Stimmung ruiniert“, macht der Sänger klar. Ob die Politik den Forderungen nachkommt, wird sich zeigen. Sicher ist: Der Druck aus der Künstlerschaft wächst, und Max Giesinger ist mittendrin.