Der plötzliche Ruhm und seine Schattenseiten
Es war der Song, der alles veränderte: „80 Millionen“ katapultierte Max Giesinger 2016 über Nacht in die deutsche Musikspitze. Der gebürtige Waldshuter wurde von einem aufstrebenden Künstler zu einem der meistgespielten Acts im Radio und auf den Festivals. Doch in einem offenen Gespräch mit Fußball-Nationalspieler Robin Gosens in dessen Podcast „Wie geht’s?“ gewährt der 37-Jährige nun tiefe Einblicke in die Zeit nach dem großen Wurf.
„Das war purer Endorphin-Rausch, das beste Jahr meines Lebens“, erinnert sich Giesinger an die Monate des Triumphs. Die Single verkaufte sich millionenfach, die Hallen wurden größer, die Medienpräsenz explodierte. Doch der Sänger stellte fest: „Irgendwann, gegen Ende des Jahres, hat sich etwas in mir verändert. Auf der Bühne gab ich weiter Vollgas – aber hinter den Kulissen begann der Kampf.“
Die Diskrepanz zwischen Bühnen-Euphorie und innerer Leere
Im Podcast beschreibt Giesinger das Phänomen, das viele Künstler nach einem Megaschlager erleben: Die öffentliche Erwartungshaltung steigt ins Unermessliche, während der eigene künstlerische Kompass ins Wanken gerät. „Man steht auf der Bühne und sieht tausende glückliche Gesichter, die deinen Song mitsingen. Aber wenn das Licht ausgeht, bist du allein mit dir und der Frage: ‚Was kommt jetzt?‘“
Diese Diskrepanz führte bei Giesinger zu einer Phase der Selbstreflexion und des Drucks, den Erfolg von „80 Millionen“ wiederholen zu müssen. „Ich habe gemerkt, dass ein Hit auch eine Bürde sein kann. Du wirst auf eine einzige Nummer reduziert, und die Angst, dass alles danach nicht mehr gut genug sein könnte, wurde riesig.“
Strategien für die mentale Gesundheit
Robin Gosens, der selbst mit dem Druck im Profifußball umgehen muss, fand in dem Gespräch einen verständnisvollen Gesprächspartner. Giesinger betonte, wie wichtig es sei, sich Hilfe zu holen und offen über die eigenen Ängste zu sprechen. „Ich habe gelernt, dass es keine Schwäche ist, sich einzugestehen, dass man gerade kämpft. Der Schritt zur Therapie oder einfach nur das Gespräch mit Freunden und Familie hat mir geholfen, meinen eigenen Weg zurück zur Musik zu finden.“
Heute blickt der Pop-Rock-Musiker versöhnlicher auf seine Karriere. „Ich bin dankbar für jeden Moment, aber ich habe verstanden, dass ich nicht jeden Erwartungsdruck erfüllen muss. Meine Musik ist mein Ausdruck, nicht mein Produkt für die Charts.“
Aktuelle Projekte und Tourpläne
Max Giesinger ist längst wieder auf der Überholspur: Im Frühjahr 2026 wird er mit seiner Band auf ausgedehnte Festivalsaison gehen. Während die großen Rap-Festivals im deutschsprachigen Raum (wie das von „Deutschrap ideal“ begleitete Angebot) ihre Line-ups schärfen, bleibt Giesinger dem Pop-Rock-Genre treu. Neben neuen Singles arbeitet er an einem Album, das die Erfahrungen der vergangenen Jahre verarbeitet. „Die neuen Songs sind ehrlicher, persönlicher – und sie müssen nicht mehr die nächste ‘80 Millionen’ sein. Sie sollen einfach Max Giesinger sein.“
Der offene Umgang mit psychischen Themen zeigt: Auch nach einem monströsen Hit kann man seinen Weg finden – und das ist eine Botschaft, die jede:n im Publikum erreicht.