Der Sommer 2010: Deutschland im Lena-Fieber
Es war ein musikalisches Erdbeben – am 29. Mai 2010 gewann eine 19-jährige Schülerin aus Hannover den Eurovision Song Contest in Oslo. Mit ihrem lässigen Charme und dem Ohrwurm „Satellite“ löste Lena Meyer-Landrut eine Begeisterungswelle aus, die selbst erfahrene Musikjournalisten an die Grenzen des Vergleichens brachte. „Deutschland war ein Land der Lächeln“, beschreibt es die WELT in ihrer Serie zu 80 Jahren Zeitgeschichte. Die Radiostationen spielten „Satellite“ damals in Dauerschleife, die Menschen feierten auf den Straßen wie nach einer Fußball-WM – ein kollektiver Glücksmoment, der die Nation vereinte.
Die junge Künstlerin, die zuvor nur durch die Castingshow „Unser Star für Oslo“ bekannt geworden war, katapultierte sich über Nacht in die erste Liga des Popgeschäfts. Ihr Debütalbum „My Cassette Player“ wurde 2010 zum meistverkauften Album des Jahres in Deutschland. Der Song selbst avancierte zur meistgestreamten deutschsprachigen Single der ESC-Geschichte. Lena war nicht nur ein musikalisches Phänomen – sie war das Gesicht eines neuen, unbeschwerten Deutschland.
Vom ESC-Wunder zur etablierten Größe
Doch Lena wäre nicht Lena, wenn sie sich auf diesem Erfolg ausgeruht hätte. Stattdessen legte sie 2011 mit dem Album „Good News“ nach und trat beim ESC in Düsseldorf erneut an – diesmal als Titelverteidigerin. Obwohl sie sich nicht im Finale platzieren konnte, hatte sie längst mehr bewiesen: Sie war keine Eintagsfliege, sondern eine ernstzunehmende Künstlerin. Mit Alben wie „Stardust“ (2012), „Crystal Sky“ (2015) und zuletzt „Only Love, L“ (2022) zeigte sie eine bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit, die von indie-poppigen Klängen bis zu elektronischen Einflüssen reichte.
Ihre Konzerte sind legendär für die intime, fast familiäre Atmosphäre, die sie mit ihrem Publikum schafft. Ob auf der „Only Love, L“-Tour oder bei Open-Air-Festivals – Lena schafft es, eine echte Verbindung aufzubauen. Das hat sie auch in der hart umkämpften deutschen Poplandschaft unverwechselbar gemacht.
Privatissimo: Familie mit Mark Forster
Abseits der Bühne hat sich Lenas Leben grundlegend verändert. Mit ihrem Partner, dem deutschen Popstar Mark Forster („Au Revoir“, „Chöre“), führt sie eine Beziehung, die von Anfang an im Rampenlicht stand. Die beiden sind seit Jahren ein Paar, und die Geburt ihres zweiten Kindes machte im vergangenen Jahr erneut Schlagzeilen. Forster selbst betonte in einem aktuellen Interview mit der Passauer Neuen Presse jedoch: Er möchte über Musik und seine künstlerische Transformation sprechen, nicht über sein Privatleben. „Ich versuche, mich zu verändern“, gibt der 43-Jährige zu, der sich kontinuierlich als Musiker neu erfindet.
Die Verbindung der beiden ist für die deutsche Popmusik, was im angelsächsischen Raum ein Beyoncé-Jay-Z-Duo wäre: zwei der erfolgreichsten und einflussreichsten Künstler ihrer Generation. Dass sie gemeinsam eine Familie gründen, macht sie umso authentischer in den Augen ihrer Fans.
Ein unvergessliches Vermächtnis
Heute, mehr als ein Jahrzehnt nach dem historischen ESC-Sieg, ist Lena Meyer-Landrut mehr als nur ein „Wunderkind“ von damals. Sie ist eine Institution, die den deutschen Pop nachhaltig geprägt hat. Ihre Musik ist in Zeiten von Streaming und sozialen Medien präsenter denn je, und ihr Einfluss auf eine ganze Generation von ESC-Teilnehmern – von Michael Schulte bis zu Isaak – ist unübersehbar.
Ob sie jemals wieder auf die ganz große ESC-Bühne zurückkehrt? Wer weiß. Auf jeden Fall hat sie längst bewiesen: Manchmal reicht ein Lied, um ein ganzes Land zum Lächeln zu bringen – und eine ganze Karriere zu begründen.